GFA TS 970: Schließkante wird nicht erkannt – Ursache prüfen und Fehler beheben

GFA TS 970: Schließkante wird nicht erkannt

Kurzdiagnose: Bei GFA TS 970 mit Fehlerbild Schließkante wird nicht erkannt zuerst Versorgung, Freigabekette, passenden Eingang und Sicherheitselemente messen. Keine Teile auf Verdacht tauschen: erst Eingang, dann Ausgang, dann Last prüfen.

Sicherheit: Arbeiten an 230/400 V, Bremsen, FU, Hauptschütz oder Motoranschluss nur durch Elektrofachkraft. Vor jeder Widerstands- oder Durchgangsmessung Anlage allpolig spannungsfrei schalten und gegen Wiedereinschalten sichern. Sicherheitskontakte nicht dauerhaft überbrücken. Eine Brücke ist nur als kurzzeitige Messhilfe durch Fachpersonal zulässig und muss sofort wieder entfernt werden.

Fehlerbild

Was macht die Anlage?Die Steuerung erkennt keine gültige Schließkantensicherung oder meldet SKS/SE Fehler.
Was macht sie nicht?Impulsbetrieb und Schließfahrt werden nicht sicher freigegeben.
Wann tritt der Fehler auf?nach Dichtungswechsel, Spiralkabelbruch, Feuchtigkeit oder Austausch der Steuerung.
Dauerhaft oder sporadisch?sporadisch bei Wackler im Spiralkabel oder losem Optosensor in der Gummidichtung.

Erste Entscheidung: Kommt der Befehl an der Steuerung an? Wenn nein: Taster, Funk, externe Freigabe und Leitung prüfen. Wenn ja: Sicherheitskreis, Endlagen, Ausgang und Last prüfen.

Wahrscheinlichste Ursachen – nach Trefferquote sortiert

Reihenfolge Ursache Schnelltest
1 8k2-Abschlusswiderstand fehlt oder außerhalb Toleranz 8k2/Optosensor/Spiralkabel messen und Eingang beobachten.
2 Optosensor Sender/Empfänger defekt oder verschmutzt Prüfung direkt am betroffenen Eingang/Ausgang durchführen und Messwert notieren.
3 Spiralkabel/Wendelleitung unterbrochen Prüfung direkt am betroffenen Eingang/Ausgang durchführen und Messwert notieren.
4 SKS-Typ in Parameter falsch eingestellt 8k2/Optosensor/Spiralkabel messen und Eingang beobachten.
5 Auswerter oder Eingang der Steuerung defekt Befehl direkt am Eingang messen; LED muss beim Tastendruck wechseln.

Sofortprüfung am Schaltschrank

Diese Prüfungen bringen den Fehler meistens schneller ans Licht als ein kompletter Steuerungstausch.

Nr. Wo prüfen? Wie prüfen? Sollwert / Erwartung
1 Direkt an Steuerung und Bauteil 8k2-Leiste spannungsfrei messen. Soll: ca. 8,2 kΩ unbelastet, Wert ändert bei Betätigung. ca. 8,2 kΩ unbelastet; klarer Wechsel bei Betätigung
2 Direkt an Steuerung und Bauteil Optosensor aus Dichtung ziehen und reinigen. Soll: Power-/Signal-LED plausibel. LED/Input wechselt eindeutig und flackert nicht
3 Direkt an Steuerung und Bauteil Spiralkabel jede Ader auf Durchgang und Wackler prüfen. Soll: <1 Ω ohne Unterbrechung beim Bewegen. < 1 Ω geschlossen, offen bei Betätigung
4 SKS/SE-Eingang und Torblatt-Leitung Parameter SKS-Art prüfen. Soll: passt zu 8k2, optisch oder pneumatisch. ca. 8,2 kΩ unbelastet; klarer Wechsel bei Betätigung
5 SKS/SE-Eingang und Torblatt-Leitung Eingangs-LED SKS beobachten. Soll: unbelastet frei, bei Druck aktiv. LED/Input wechselt eindeutig und flackert nicht
6 Endschalter, AWG/Encoder, Endlagenmenü Bei pneumatischer Leiste Druckwellenschalter und Test vor ZU-Endlage prüfen. Endlagenstatus passt zur realen Torposition

Messwerte, LED-Zustände und Eingänge

Messpunkt Bewertung
8,2 kΩ plus/minus Toleranz laut Hersteller Unendlich/0 Ω oder stark schwankend bedeutet Leiste, Widerstand oder Leitung defekt.
Durchgang Spiralkabel <1 Ω Springende Werte zeigen Wackelkontakt, gebrochene Leitung oder schlechten Schalter.
12/24 V Versorgung Optosensor Fehlt oder bricht sie ein, zuerst Netzteil, Sicherung, Kurzschluss in Sensorik und Klemmen prüfen.
SKS-Eingang LED frei/aktiv Keine LED-Änderung bedeutet: Befehl/Sensor kommt nicht an oder Eingang falsch parametriert.
Druckwellenschalter Kontaktwechsel beim Betätigen Messwert mit Typenschild und Schaltplan vergleichen; Abweichung gezielt eingrenzen.

Wichtig: Spannung immer unter Last prüfen. 24 V im Leerlauf können gut aussehen und beim Start trotzdem zusammenbrechen.

Herstellerbezogene Prüfung: GFA TS 970

Bei GFA TS970/TS971/TS981 liefern X5, X6 und die Türblatt-/ST-Kreise die schnellsten Treffer. X6.1-X6.2 ist bei Lichtschrankenfehlern besonders wichtig, X5.1-X5.4 bei fehlenden Befehlen.

Relevante Klemmen und Baugruppen

Klemme / Baugruppe Warum hier prüfen?
X5.1 bis X5.4 = externe Befehlsgeräte. AUF/ZU/STOP/Impuls am Eingang prüfen. Hier sieht man, ob der Befehl wirklich ankommt.
X6.1 bis X6.2 = Lichtschranke bzw. Durchfahrtslichtschranke. Kontakt muss je nach Funktion schließen/freigeben. Hier sperren Lichtschranke, SKS und Sicherheitskontakte die Fahrt.
Bei TS 981 zusätzlich X15.1 bis X15.4 für externe Befehlsgeräte außen prüfen. Hier sieht man, ob der Befehl wirklich ankommt.
ST/ST+ bzw. Türblatt-/Klemmenkasten: Schlupftür, Seilschlaffschalter und Sicherheitskante prüfen. Hier sperren Lichtschranke, SKS und Sicherheitskontakte die Fahrt.
X2-Steckverbindung zum Türblattmodul/Klemmenkasten auf festen Sitz prüfen. Hier prüfen, ob Ausgang, Motor und Bremse elektrisch versorgt werden.

Fehlercodes, LED-Zustände oder Meldungen

Meldung / Zustand Nächster Schritt
F2.1: Lichtstrahl unterbrochen oder X6.1-X6.2 offen. Lichtschranke reinigen, ausrichten, Versorgung und Kontakt prüfen.
F2.8: Prüfung der pneumatischen Sicherheitsleiste negativ. Schließkante, Widerstand, Optosensor, Spiralkabel und Parameter prüfen.
F2.9: optische Schließkante ausgelöst oder beschädigt. Schließkante, Widerstand, Optosensor, Spiralkabel und Parameter prüfen.
F5.6: Laufzeit überschritten; Laufzeit und Mechanik prüfen. Mechanik, Laufzeitparameter, Motorstrom und Endlagen prüfen.
Meldung „No safety edge“: Sicherheitskante, WSD oder Spiralleitung prüfen. Schließkante, Widerstand, Optosensor, Spiralkabel und Parameter prüfen.

Parameter, die zum Fehlerbild passen

Parameter / Funktion Prüfung
Betriebsart .3/.4 für Automatikfunktionen Falsch eingestellt führt zu Totmannbetrieb oder fehlendem Impulsbetrieb.
Laufzeitüberwachung Zu knapp eingestellt führt zu Start/Stopp, Reversieren oder Thermofehler.
Vorendschalter S5 Falsch gelernt verhindert Endlagenmeldung und Referenzfahrt.
SKS-Art optisch/8k2/pneumatisch Falsch parametriert blockiert ZU oder Automatik.
WSD-Funkmodul angelernt Falsch gelernt verhindert Endlagenmeldung und Referenzfahrt.
Automatischer Zulauf/Vorwarnung Bestimmt, wann Signalgeber schalten.

Bekannte Schwachstellen aus der Praxis

Schwachstelle Praktische Prüfung
offene Klemmen X6.1-X6.2 durch verschobene Lichtschranke Reinigen, ausrichten, Versorgung messen, Relaiskontakt testen.
defekter WSD-Sender oder leere Batterie Stecker sichern, Sensor betätigen, Endlagen neu lernen.
Aderbruch im Spiralkabel Adern einzeln messen und Leitung bewegen; Wert darf nicht springen.
Schlupftürkontakt im Türblattkasten offen Kontakt mechanisch drücken, elektrisch messen und während Bewegung beobachten.
Bremse löst nicht sauber Bremsenspannung messen, Lösen hören, mechanisches Schleifen prüfen.

Typische Fehlerursache aus der Praxis

Bei Sektionaltoren ist die häufigste Ursache ein gebrochenes Spiralkabel oder ein 8k2-Widerstand mit Feuchtigkeit in der Bodendichtung.

Bei GFA TS 970 besonders beachten: Bei TS-Steuerungen immer Fehlercode und X5/X6/ST-Kreis notieren, bevor quittiert wird.

Schritt-für-Schritt-Reparatur

  1. Anlage sichern: Bereich absperren, Fahrweg freimachen, Hauptschalter ausschalten und gegen Wiedereinschalten sichern. Arbeiten an 230/400 V, Bremsen, FU, Hauptschütz oder Motoranschluss nur durch Elektrofachkraft. Vor jeder Widerstands- oder Durchgangsmessung Anlage allpolig spannungsfrei schalten und gegen Wiedereinschalten sichern.
  2. Bauteil eingrenzen: Für dieses Fehlerbild zuerst SKS-Wert, Optosensor oder Auswerter fehlt prüfen, dann erst Motor oder Steuerung verdächtigen.
  3. Schließkantensicherung 8k2 / Optosensor / Spiralkabel lokalisieren: Klemme, Leitung und Bauteil anhand der Beschriftung und des Schaltplans markieren. Vor dem Abziehen Fotos machen.
  4. Messung durchführen: Versorgung, Eingang, Kontakt/Widerstand und LED-Zustand messen. Ergebnis notieren; kein Teil tauschen, nur weil es „verdächtig aussieht“.
  5. Bauteil tauschen oder instand setzen: Schließkantensicherung 8k2 / Optosensor / Spiralkabel nur gegen passenden Typ nach Typenschild/Schaltplan ersetzen. Klemmen festziehen, Zugentlastung setzen, Leitung gegen Scheuern sichern.
  6. Funktionstest: Einzelfunktion am Eingang prüfen, dann komplette AUF- und ZU-Fahrt durchführen. Fehlerhistorie erneut kontrollieren.
  7. Sicherheitsprüfung: Not-Halt, Lichtschranke, Schließkante/SKS, Schlupftür und Endlagen aktiv testen. Bei Automatiklauf Reversierung und Vorwarnung dokumentieren.

Ersatzteilhinweis

Typisches Ersatzteil: Schließkantensicherung 8k2 / Optosensor / Spiralkabel

Funktion: Die SKS meldet Berührung an der Hauptschließkante. Ohne gültiges Signal fährt die Anlage nur eingeschränkt oder gar nicht.

Austausch: Anlage spannungsfrei schalten, Klemmenbelegung fotografieren, Adern beschriften, Bauteil ersetzen, Klemmen nachziehen, Zugentlastung prüfen und danach Messwert/Funktion erneut dokumentieren.

Weitere Teile, die man bei dieser Anlage im Blick haben sollte:

  • GFA TS970/TS971/TS981 Steuerung
  • WSD-Türmodul oder Spiralkabel
  • Lichtschranke für X6
  • Sicherheitsleiste optisch/8k2/pneumatisch
  • Bremsgleichrichter/Bremse
  • Endschalter/AWG

Praxisfall

Punkt Beschreibung
Fehlerbild Nach Austausch der Bodendichtung meldet die Steuerung „SKS fehlt“.
Diagnose Gemessen wurden unendlich Ohm statt 8,2 kΩ.
Ursache Abschlusswiderstand wurde beim Dichtungswechsel nicht wieder angeschlossen.
Lösung Widerstand korrekt eingesetzt, Wert geprüft, Reversiertest durchgeführt.
Zeitaufwand 25 Minuten

Abschlussprüfung nach der Reparatur

  • Mindestens drei komplette Fahrzyklen AUF/ZU ohne Fehlermeldung durchführen.
  • Not-Halt betätigen: Anlage muss sofort stoppen und darf erst nach Entriegelung wieder freigeben.
  • Lichtschranke während ZU-Fahrt unterbrechen: Schließfahrt muss stoppen oder reversieren, je nach Anlage.
  • Schließkante/SKS mit geeignetem Prüfkörper testen: Reaktion und Reversierweg prüfen.
  • Endlagen AUF/ZU prüfen: Anzeige, Verriegelung, Ampel/Freigabe müssen korrekt umschalten.
  • Messwerte, getauschtes Ersatzteil und Fehlercode im Wartungsprotokoll dokumentieren.

Hinweis: Klemmenbezeichnungen können je nach Baujahr, Optionsplatine und Ausführung abweichen. Maßgeblich bleibt immer der Schaltplan der konkreten Anlage.

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