GFA TS 971: Reversiert ohne Hindernis – Ursache prüfen und Fehler beheben

GFA TS 971: Reversiert ohne Hindernis

Kurzdiagnose: Bei GFA TS 971 mit Fehlerbild Reversiert ohne Hindernis zuerst Versorgung, Freigabekette, passenden Eingang und Sicherheitselemente messen. Keine Teile auf Verdacht tauschen: erst Eingang, dann Ausgang, dann Last prüfen.

Sicherheit: Arbeiten an 230/400 V, Bremsen, FU, Hauptschütz oder Motoranschluss nur durch Elektrofachkraft. Vor jeder Widerstands- oder Durchgangsmessung Anlage allpolig spannungsfrei schalten und gegen Wiedereinschalten sichern. Sicherheitskontakte nicht dauerhaft überbrücken. Eine Brücke ist nur als kurzzeitige Messhilfe durch Fachpersonal zulässig und muss sofort wieder entfernt werden.

Fehlerbild

Was macht die Anlage?Beim Schließen stoppt die Anlage und fährt wieder auf.
Was macht sie nicht?Die Steuerung akzeptiert die Schließfahrt nicht bis zur ZU-Endlage.
Wann tritt der Fehler auf?meist in einer bestimmten Höhe, bei Sonne/Regen, bei Vibration oder kurz vor der Endlage.
Dauerhaft oder sporadisch?sporadisch bei Lichtschranken, Schließkante, gebrochener Leitung oder schwergängiger Mechanik.

Erste Entscheidung: Kommt der Befehl an der Steuerung an? Wenn nein: Taster, Funk, externe Freigabe und Leitung prüfen. Wenn ja: Sicherheitskreis, Endlagen, Ausgang und Last prüfen.

Wahrscheinlichste Ursachen – nach Trefferquote sortiert

Reihenfolge Ursache Schnelltest
1 Lichtschranke flackert oder wird geblendet Linsen reinigen, LED prüfen, Versorgung und Relaiskontakt messen.
2 Schließkante löst durch Wackelkontakt aus 8k2/Optosensor/Spiralkabel messen und Eingang beobachten.
3 Kraft-/Stromüberwachung erkennt Schwergang Prüfung direkt am betroffenen Eingang/Ausgang durchführen und Messwert notieren.
4 Tor läuft mechanisch schwer oder verkantet Prüfung direkt am betroffenen Eingang/Ausgang durchführen und Messwert notieren.
5 Vorendschalter/Parameter Reversierbereich falsch Parameter mit Fehlerbild abgleichen und Änderungen dokumentieren.

Sofortprüfung am Schaltschrank

Diese Prüfungen bringen den Fehler meistens schneller ans Licht als ein kompletter Steuerungstausch.

Nr. Wo prüfen? Wie prüfen? Sollwert / Erwartung
1 X6.1-X6.2 und Sender/Empfänger Fahrweg frei machen und Lichtschranken-LED während Fahrt beobachten. Soll: kein Flackern. LED/Input wechselt eindeutig und flackert nicht
2 SKS/SE-Eingang und Torblatt-Leitung SKS-Wert während Bewegung über Schleppleitung prüfen. Soll: stabil 8,2 kΩ oder sauberes Opto-Signal. ca. 8,2 kΩ unbelastet; klarer Wechsel bei Betätigung
3 Direkt an Steuerung und Bauteil Tor mechanisch entriegeln und per Hand bewegen. Soll: gleichmäßiger Lauf ohne Haken. Zustand eindeutig, reproduzierbar und passend zum Schaltplan
4 Motoranschluss / Schütz / FU-Ausgang Motorstrom beim Reversierpunkt messen. Soll: kein deutlicher Sprung über Normalwert. unter Nennstrom laut Typenschild, kein starker Sprung
5 Endschalter, AWG/Encoder, Endlagenmenü Vorendschalter/Reversierbereich prüfen. Soll: Sicherheitsauslösung kurz vor Endlage korrekt behandelt. Endlagenstatus passt zur realen Torposition
6 Direkt an Steuerung und Bauteil Führungsschienen, Rollen und Dichtung auf Druckstellen prüfen. Zustand eindeutig, reproduzierbar und passend zum Schaltplan

Messwerte, LED-Zustände und Eingänge

Messpunkt Bewertung
8,2 kΩ SKS stabil beim Bewegen Unendlich/0 Ω oder stark schwankend bedeutet Leiste, Widerstand oder Leitung defekt.
24 V DC an Sensoren ohne Einbruch Fehlt oder bricht sie ein, zuerst Netzteil, Sicherung, Kurzschluss in Sensorik und Klemmen prüfen.
Motorstrom am Reversierpunkt Zu hoch: Mechanik/Bremse/Motor prüfen. Zu niedrig trotz Befehl: Ausgang/Schütz/Freigabe prüfen.
LED Lichtschranke frei/unterbrochen Keine LED-Änderung bedeutet: Befehl/Sensor kommt nicht an oder Eingang falsch parametriert.
Eingang SKS darf unbelastet nicht wechseln Keine LED-Änderung bedeutet: Befehl/Sensor kommt nicht an oder Eingang falsch parametriert.

Wichtig: Spannung immer unter Last prüfen. 24 V im Leerlauf können gut aussehen und beim Start trotzdem zusammenbrechen.

Herstellerbezogene Prüfung: GFA TS 971

Bei GFA TS970/TS971/TS981 liefern X5, X6 und die Türblatt-/ST-Kreise die schnellsten Treffer. X6.1-X6.2 ist bei Lichtschrankenfehlern besonders wichtig, X5.1-X5.4 bei fehlenden Befehlen.

Relevante Klemmen und Baugruppen

Klemme / Baugruppe Warum hier prüfen?
X5.1 bis X5.4 = externe Befehlsgeräte. AUF/ZU/STOP/Impuls am Eingang prüfen. Hier sieht man, ob der Befehl wirklich ankommt.
X6.1 bis X6.2 = Lichtschranke bzw. Durchfahrtslichtschranke. Kontakt muss je nach Funktion schließen/freigeben. Hier sperren Lichtschranke, SKS und Sicherheitskontakte die Fahrt.
Bei TS 981 zusätzlich X15.1 bis X15.4 für externe Befehlsgeräte außen prüfen. Hier sieht man, ob der Befehl wirklich ankommt.
ST/ST+ bzw. Türblatt-/Klemmenkasten: Schlupftür, Seilschlaffschalter und Sicherheitskante prüfen. Hier sperren Lichtschranke, SKS und Sicherheitskontakte die Fahrt.
X2-Steckverbindung zum Türblattmodul/Klemmenkasten auf festen Sitz prüfen. Hier prüfen, ob Ausgang, Motor und Bremse elektrisch versorgt werden.

Fehlercodes, LED-Zustände oder Meldungen

Meldung / Zustand Nächster Schritt
F2.1: Lichtstrahl unterbrochen oder X6.1-X6.2 offen. Lichtschranke reinigen, ausrichten, Versorgung und Kontakt prüfen.
F2.8: Prüfung der pneumatischen Sicherheitsleiste negativ. Schließkante, Widerstand, Optosensor, Spiralkabel und Parameter prüfen.
F2.9: optische Schließkante ausgelöst oder beschädigt. Schließkante, Widerstand, Optosensor, Spiralkabel und Parameter prüfen.
F5.6: Laufzeit überschritten; Laufzeit und Mechanik prüfen. Mechanik, Laufzeitparameter, Motorstrom und Endlagen prüfen.
Meldung „No safety edge“: Sicherheitskante, WSD oder Spiralleitung prüfen. Schließkante, Widerstand, Optosensor, Spiralkabel und Parameter prüfen.

Parameter, die zum Fehlerbild passen

Parameter / Funktion Prüfung
Betriebsart .3/.4 für Automatikfunktionen Falsch eingestellt führt zu Totmannbetrieb oder fehlendem Impulsbetrieb.
Laufzeitüberwachung Zu knapp eingestellt führt zu Start/Stopp, Reversieren oder Thermofehler.
Vorendschalter S5 Falsch gelernt verhindert Endlagenmeldung und Referenzfahrt.
SKS-Art optisch/8k2/pneumatisch Falsch parametriert blockiert ZU oder Automatik.
WSD-Funkmodul angelernt Falsch gelernt verhindert Endlagenmeldung und Referenzfahrt.
Automatischer Zulauf/Vorwarnung Bestimmt, wann Signalgeber schalten.

Bekannte Schwachstellen aus der Praxis

Schwachstelle Praktische Prüfung
offene Klemmen X6.1-X6.2 durch verschobene Lichtschranke Reinigen, ausrichten, Versorgung messen, Relaiskontakt testen.
defekter WSD-Sender oder leere Batterie Stecker sichern, Sensor betätigen, Endlagen neu lernen.
Aderbruch im Spiralkabel Adern einzeln messen und Leitung bewegen; Wert darf nicht springen.
Schlupftürkontakt im Türblattkasten offen Kontakt mechanisch drücken, elektrisch messen und während Bewegung beobachten.
Bremse löst nicht sauber Bremsenspannung messen, Lösen hören, mechanisches Schleifen prüfen.

Typische Fehlerursache aus der Praxis

Der Klassiker ist eine Schließkante mit Aderbruch im Spiralkabel: unbelastet im Stillstand wirkt alles sauber, während der Fahrt kippt der Wert kurz weg.

Bei GFA TS 971 besonders beachten: Bei TS-Steuerungen immer Fehlercode und X5/X6/ST-Kreis notieren, bevor quittiert wird.

Schritt-für-Schritt-Reparatur

  1. Anlage sichern: Bereich absperren, Fahrweg freimachen, Hauptschalter ausschalten und gegen Wiedereinschalten sichern. Arbeiten an 230/400 V, Bremsen, FU, Hauptschütz oder Motoranschluss nur durch Elektrofachkraft. Vor jeder Widerstands- oder Durchgangsmessung Anlage allpolig spannungsfrei schalten und gegen Wiedereinschalten sichern.
  2. Bauteil eingrenzen: Für dieses Fehlerbild zuerst Sicherheitseinrichtung oder Kraftüberwachung meldet Hindernis, obwohl der Fahrweg frei ist prüfen, dann erst Motor oder Steuerung verdächtigen.
  3. Spiralkabel / Schließkante / Lichtschranke lokalisieren: Klemme, Leitung und Bauteil anhand der Beschriftung und des Schaltplans markieren. Vor dem Abziehen Fotos machen.
  4. Messung durchführen: Versorgung, Eingang, Kontakt/Widerstand und LED-Zustand messen. Ergebnis notieren; kein Teil tauschen, nur weil es „verdächtig aussieht“.
  5. Bauteil tauschen oder instand setzen: Spiralkabel / Schließkante / Lichtschranke nur gegen passenden Typ nach Typenschild/Schaltplan ersetzen. Klemmen festziehen, Zugentlastung setzen, Leitung gegen Scheuern sichern.
  6. Funktionstest: Einzelfunktion am Eingang prüfen, dann komplette AUF- und ZU-Fahrt durchführen. Fehlerhistorie erneut kontrollieren.
  7. Sicherheitsprüfung: Not-Halt, Lichtschranke, Schließkante/SKS, Schlupftür und Endlagen aktiv testen. Bei Automatiklauf Reversierung und Vorwarnung dokumentieren.

Ersatzteilhinweis

Typisches Ersatzteil: Spiralkabel / Schließkante / Lichtschranke

Funktion: Diese Teile melden Hindernisse. Bei Wacklern reversiert die Anlage ohne echten Gegenstand.

Austausch: Anlage spannungsfrei schalten, Klemmenbelegung fotografieren, Adern beschriften, Bauteil ersetzen, Klemmen nachziehen, Zugentlastung prüfen und danach Messwert/Funktion erneut dokumentieren.

Weitere Teile, die man bei dieser Anlage im Blick haben sollte:

  • GFA TS970/TS971/TS981 Steuerung
  • WSD-Türmodul oder Spiralkabel
  • Lichtschranke für X6
  • Sicherheitsleiste optisch/8k2/pneumatisch
  • Bremsgleichrichter/Bremse
  • Endschalter/AWG

Praxisfall

Punkt Beschreibung
Fehlerbild Tor reversiert immer auf halber Höhe, kein Hindernis sichtbar.
Diagnose 8k2-Wert im Stillstand ok, beim Bewegen kurz unendlich.
Ursache Spiralkabelbruch an der Knickstelle.
Lösung Spiralkabel ersetzt, Leitung geführt, Reversierung mit Prüfkörper getestet.
Zeitaufwand 50 Minuten

Abschlussprüfung nach der Reparatur

  • Mindestens drei komplette Fahrzyklen AUF/ZU ohne Fehlermeldung durchführen.
  • Not-Halt betätigen: Anlage muss sofort stoppen und darf erst nach Entriegelung wieder freigeben.
  • Lichtschranke während ZU-Fahrt unterbrechen: Schließfahrt muss stoppen oder reversieren, je nach Anlage.
  • Schließkante/SKS mit geeignetem Prüfkörper testen: Reaktion und Reversierweg prüfen.
  • Endlagen AUF/ZU prüfen: Anzeige, Verriegelung, Ampel/Freigabe müssen korrekt umschalten.
  • Messwerte, getauschtes Ersatzteil und Fehlercode im Wartungsprotokoll dokumentieren.

Hinweis: Klemmenbezeichnungen können je nach Baujahr, Optionsplatine und Ausführung abweichen. Maßgeblich bleibt immer der Schaltplan der konkreten Anlage.

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